Was steckt hinter dem „Hartz-und-herzlich“-Dreh in Bad Berleburg?
Was steckt hinter dem „Hartz-und-herzlich“-Dreh in Bad Berleburg?

Siegen. Eine Zugfahrt, zwei Schwestern und ein Kamerateam: Die RTL-Zwei-Dokureihe „Hartz und herzlich“ hat jetzt Station in Bad Berleburg gemacht. Was im Fernsehen wie ein harmloser Familienbesuch wirkt, löst in den sozialen Medien der Region, aber auch darüber hinaus, rege Diskussionen aus.
Doch der Reihe nach: In den Folgen „Schwesternliebe und Nachbarschaftshilfe“ sowie „Wanderer und Bastler“ reist Jana aus Rostock zu ihrer älteren Schwester Sabrina nach Bad Berleburg. Zuvor hatte das Format die Umzugspläne von Sabrina nach Nordrhein-Westfalen begleitet. Damals drehte sich vieles um die Frage, wie ihr gesamter Hausstand über rund 550 Kilometer von Rostock ins Wittgensteiner Land transportiert werden kann.
Doch genau das entpuppte sich als größere Herausforderung als erwartet: Ein gemieteter Wagen war zu klein, Termine platzten, der Zeitdruck stieg. Schließlich versuchte Mutter Brigitte, kurzfristig ein anderes Transportunternehmen zu finden – möglichst schnell und bezahlbar. Trotz aller Widrigkeiten gelang der Umzug am Ende doch, und Sabrina konnte ihr neues Leben in Bad Berleburg beginnen.
Drei Monate später stand nun der Gegenbesuch an: Jana, 32 Jahre alt, machte sich mit dem Zug auf den Weg zu ihrer Schwester. Laut Sendungsbeschreibung war die Reise ihr erster Besuch in der ländlichen Umgebung – „Neuland“, wie es im Off-Kommentar hieß.
Kritik und Spott nach der TV-Ausstrahlung
In den Kommentarspalten einer regionalen Facebook-Gruppe, die mittlerweile aus dem Internet verschwunden ist, aber auch in Fanforen des Formats, fielen die Reaktionen gemischt aus. Einige Nutzer äußerten Unverständnis über die Wahl des Drehorts, andere machten sich über die Sendung lustig oder kritisierten den Aufwand der Reise. Ein Kommentar lautete sinngemäß, RTL Zwei sei „kein Fernsehen“, ein anderer sprach von „Assi-TV“.
Eine Nutzerin schrieb scherzhaft, am besten sei „der Spruch mit der tollen Bergluft“ gewesen. Andere äußerten sich deutlich kritischer: „13 Stunden im Zug und einen Tag später wieder zurück, mit der Schwester im Schlepptau … muss ich das verstehen?“ oder „Verreisen geht, endlos lange Zugfahrt, auch nachts! Nur zur Arbeit fahren geht nicht. Ach so, ja, da kommen dann die Depressionen.“
Doch wie bewertet man den Kurzauftritt Bad Berleburgs im bekannten TV-Format bei der Stadt selbst? Auf Nachfrage der Siegener Zeitung erklärte Stadtsprecher Timo Karl, die Verwaltung sei an den Dreharbeiten nicht beteiligt und darüber auch nicht informiert gewesen. „Dies ist nur dann erforderlich, wenn es zu Beeinträchtigungen im öffentlichen Raum durch eine Sondernutzung kommt – beispielsweise durch erforderliche Straßensperrungen oder Ähnliches“, so Karl.
Für die Dreharbeiten sei jedoch keine Genehmigung beantragt worden. Auch über den Inhalt der Folge oder die Darstellung Bad Berleburgs sei die Stadt nicht informiert worden.
Medienfreiheit ja – aber bitte mit Blick aufs Ganze
Zur grundsätzlichen Bewertung sagte Karl, Bad Berleburg sei „eine vielfältige und lebendige Stadt mit vielen Facetten“. Wenn Medienberichte einzelne Lebenssituationen oder persönliche Geschichten zeigten, sei das „nur ein sehr kleiner Ausschnitt der gesamten Realität“.
Die Stadt respektiere die Freiheit der Medien, betone aber zugleich: „Unsere Stadt hat weit mehr zu bieten – von einem starken gesellschaftlichen Zusammenhalt bis hin zu engagierten Bürgerinnen und Bürgern, die sich für ein gutes Miteinander einsetzen.“








